Große Mehrheit im Erfurter Stadtrat für Stadionumbau
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Mit einem kurzen Menschenauflauf auf dem Anger warben RWE-Fans Mittwochnachmittag
für den Stadionumbau. Foto: Anne-Katrin Paulke
Erfurter Stadtrat beschloss am Mittwochabend den entscheidenden Schritt für die 28,8 Millionen Euro teure Multifunktionsarena. Der Förderantrag beim Land wird gestellt. Der Umbau könnte noch in diesem Jahr beginnen.
Erfurt. Der Erfurter Stadtrat hat am Mittwoch am späten Abend mit großer Mehrheit beschlossen, den Förderantrag für den Umbau des Steigerwaldstadions zur Multifunktionsarena beim Land zu stellen. 10 Abgeordnete der Linken, Grünen und FW stimmten dagegen, 4 enthielten sich, dem gegenüber standen über 30 Ja-Stimmen.
Damit ist nach dem Grundsatzbeschluss des Stadtrats im Juli 2011 ein weiterer großer Schritt zu dem 28,8-Millionen-Euro-Vorhaben getan. Der Antrag soll noch am Donnerstag ins Wirtschaftsministerium gehen, wo bis Mai darüber entschieden wird. Ist diese Hürde genommen, kann die Ausschreibung erfolgen, der Umbau beginnen – laut Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) noch 2012.
Vor dem Rathaus standen vor Beginn der Sitzung gut 200 RWE-Fans und machten ihre Forderung lautstark deutlich: Die Arena soll kommen. Im Rathaus erinnerte OB Bausewein an die vielen Debatten zum Stadion. Nun liege der Antrag vor. “Jeder der dagegen ist, soll Alternativen benennen”, sagte Bausewein. Er verwies darauf, dass die Besucherzahlen für die Arena sehr vorsichtig gerechnet seien. “Ja, es ist ein Risiko, aber die Chancen sind deutlich größer. Wir sollten diese Chance nutzen!”
CDU-Fraktionschef Michael Panse nahm für die Kritiker in Anspruch, “berechtigte Fragen zu stellen”. Die CDU habe den Grundsatzbeschluss 2011 mitgetragen, viele Fragen seien nun beantwortet. Die CDU fordere die Einbeziehung der Südeinfahrt in die Planungen und ihren Bau bis 2017. Auch müsse die Frage der Parkplätze geklärt werden. Zudem solle man “die Bürger jetzt aktiv einbeziehen”.
Einige Fragen noch offen geblieben
Offen bleiben für ihn die Fragen, ob die Fördermittel im Falle des Scheiterns der Arena zurückgezahlt werden müssten und wie sich diese auf die Entwicklung der künftigen ICE-City am Bahnhof auswirken. “Wir geben Ihnen aber Vertrauensvorschuss. Wenn unsere drei Bedingungen erfüllt werden, können wir dem Antrag zustimmen”, so Panse. Die geforderten Änderungen wurden mit großer Mehrheit angenommen.
Susanne Hennig sagte für die Linken mit Blick auf die hohe Förderung: “Einem geschenkten Gaul sollte man durchaus ins Maul schauen.” Auch sie verwies auf Risiken der Betreibung des Stadions und darauf, dass für das Umfeld weitere rund 10 Millionen Euro nötig seien. Sie forderte erneut, Alternativen zu prüfen, um das Stadion nur für den Sport zu sanieren. Kernforderung der Linken sei aber eine Befragung der Bürger. Die Änderungsvorschläge der Linken wurden abgelehnt.
Für die SPD wies Holger Poppenhäger die Forderung nach einer Patronatserklärung des Landes zurück. Da die Stadt für die Betreibung der Arena verantwortlich sei, könne man nicht das Land für mögliche Probleme dabei haftbar machen. Er räumte ein, dass Parkplätze und Südeinfahrt ins Paket gehörten. Die SPD stimmte geschlossen für den Antrag.
Die Grünen-Fraktionschefin Kathrin Hoyer sagte: “Kein Stadtrat hat sich die Entscheidung heute leicht gemacht.” Sie vermisse aber – wie die Linke – belastbare Alternativen wie eine Sanierung des Stadions. Die Risiken wie die Konkurrenz zu anderen Tagungsstätten oder die Gefahr, Fördermittel zurückzahlen zu müssen, müssten abgewogen werden.
In Projektgesellschaft auch Stadträte vertreten
Die Grünen stimmten gespalten: 3 ja, 2 nein. Sie forderten zudem erfolgreich, dass Stadträte in der Projektgesellschaft eingebunden werden.
“Auch ich war zunächst skeptisch, aber das Konzept hat mich überzeugt”, sagte Thomas L. Kemmerich für die FDP. Das Stadion sei auch gut für die Leichtathletik.
Ingeborg Aßmann von den Freien Wählern sagte, dass in Erfurt genügend Veranstaltungsorte für jeden Zweck vorhanden seien. Sie bezweifelte, dass genügend Besucher von außerhalb in die Arena kämen. Die Zahlen seien schön gerechnet, ein saniertes Stadion genüge.
Klaus Wuggazer / 29.02.12 / tag